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Think Tank für das Recht auf Bildung

Die Hintergründe zum Bihar Education Policy Center

Große Probleme erfordern manchmal große Visionen. Der desaströse Zustand des staatlichen Bildungssektors in Indien führt dazu, dass jede Reform ganz gleich welcher Größe zu einer Herausforderung wird.

Die Qualität der öffentlichen Schulen erhöht sich nicht von heute auf morgen. Vielmehr bedarf es für eine nachhaltige Steigerung der Lehrqualität vieler Verbündeter in den Schulen selbst, aber auch in der Zivilgesellschaft, in der Politik und in der Schulverwaltung.

Nur ein großes und starkes Netzwerk für das Recht auf Bildung kann in Zukunft die nötigen Veränderungen bewirken.

Wir haben uns aufgemacht, ein Teil eines solchen Netzwerkes zu werden. Zusammen mit unserer indischen Partnerorganisation Prayatna haben wir eine Denkfabrik (Think Tank), das Bihar Education Policy Center (BEPC), ins Leben gerufen.

Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, über privat finanzierte Bildungseinrichtungen die Lücke zu schließen, die angesichts des Bildungshungers auch des finanzschwachen Großteils der indischen Bevölkerung klafft.

Private Initiativen mögen die Folgen des staatlichen Versagens im Bildungsbereich abmildern und einzelnen Kindern mithilfe guter Bildung einen Weg aus der Armut ebnen. Doch sie haben Nachteile: Sie nehmen eine Rolle ein, die die indische Verfassung dem indischen Staat zugeschrieben hat. Dadurch kaschieren sie die tieferliegenden Ursachen für den Status Quo. Und sie schaffen neue Abhängigkeiten von ausländischen Geldern. Wer finanziert die spendenfinanzierte Schule, wenn dem Unterstützerverein plötzlich die Mittel ausgehen?

Angesichts dieser Gegebenheiten haben wir uns entschlossen, mithilfe eines Think Tanks – einer auf Schulbildung spezialisierten Denkfabrik - die tieferliegenden Strukturen anzugreifen und zu verändern.

Die Hauptaufgabe des BEPC besteht darin, der Regierung Reformvorhaben nahezulegen und Vorschläge zu unterbreiten sowie sie in der Umsetzung von bestehenden Regelungen zu unterstützen. Es handelt sich also um eine Art Lobbyorganisation, jedoch im Interesse der Allgemeinheit. Auch in Indien gibt es klare gesetzliche Regeln und Kriterien, die staatliche Schulen erfüllen müssen. Vorgeschrieben ist zum einen eine grundlegende Infrastruktur wie Toiletten für Jungen und Mädchen sowie Trinkwassereinrichtungen, zum anderen bestehen aber auch Anforderungen an die Qualifikation von Lehrkräften und die maximale Klassengröße. Die Realität in den Grundschulen ist indes eine andere. Weniger als zehn Prozent der Schulen erfüllen die gesetzlichen Regelungen – ein Armutszeugnis für eine aufstrebende Nation wie Indien.

In einer früheren Projektphase unseres Bildungsprojektes hat unser Projektleiter Dr. Vishwa Anand Informationskarten für die insgesamt neun Partnerschulen im Distrikt Muzaffarpur erstellt, auf denen die Mängel der Schulen aufgelistet sind.

Durch den miserablen Zustand der öffentlichen Schulen schicken die Eltern aus der Mittelschicht ihre Kinder längst auf kostspielige Privatschulen. Die Folge: Eine Segregation des Bildungssystems. In den staatlichen Schulen bleiben lediglich diejenigen zurück, deren Eltern sich den Privatschulbesuch nicht leisten können – in der Regel sind es Angehörige niedriger Kasten oder der Dalits (sog. Unberührbare).

Neben dem Ausarbeiten von konkreten Reformvorschlägen betreibt das BEPC auch eine Art Lobbyismus im Namen der einfachen Bevölkerung. Entscheidungsträger sollen davon überzeugt werden, tiefgreifende Veränderungen im Bildungssystem zu unterstützen und den Status Quo zu verändern. Dabei zielt das Projekt auf eine Zusammenarbeit mit den zuständigen staatlichen Stellen ab, um lokale Lösungen für die jeweiligen Probleme zu finden. Die Idee ist nicht, westliche Erfolgsmodelle aus Deutschland und Europa nach Bihar zu transportieren. Vielmehr erfordern lokale Probleme lokale Lösungen – wir greifen daher auf Expertise vor Ort zurück. Anstatt vorgefertigte Lösungen unreflektiert einzusetzen, erarbeitet das BEPC mögliche Vorschläge in Zusammenarbeit mit den Akteuren des Schulsystems – Eltern, Kindern, Lehrkräfte und Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung

Hierzu bedarf es auch eines breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses, weshalb ein wichtiger Teil der Arbeit des Think Tanks in der Vernetzung mit anderen Organisationen im Bildungsbereich besteht.

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Leitung

Rakesh Kumar Rajak

Geleitet wird das Institut von Rakesh Kumar Rajak. Als Dalit im ländlichen Bihar geboren, hatte Rajak mit zahlreichen Widrigkeiten zu kämpfen. Er ging selbst auf marode öffentliche Schulen und bekam daher deren desaströsen Zustand hautnah mit. Nur durch viel Fleiß und ein Elternhaus, dass ihn förderte und unterstützte, schaffte er es an die renommierte Delhi School of Social Work, eine Universität in Indiens Hauptstadt, an der er seinen Master absolvierte. „Wenn ich die tausenden Kinder sehe, die noch vor Ende der Grundschulzeit die Schule verlassen, denke ich mir immer, dass auch ich das hätte sein können“, erklärt Rajak.

Seine Wurzeln hat er nicht vergessen, sie sind ihm vielmehr Ansporn im Kampf für ein besseres Bildungssystem.

In seinem Heimatdorf hat Rajak in der Vergangenheit eine Bibliothek eröffnet, weshalb ihn der ehemalige US-Präsident Barack Obama im Januar 2018 zu einem Townhall-Meeting in Delhi eingeladen hat.

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Advisory Board

Pratik Kumar

Pratik Kumar ist Präsident unserer indischen Partnerorganisation und arbeitete zuvor unter anderem für die Vereinten Nationen.

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Advisory Board

Anjela Taneja

Anjela Taneja ist Indiens führende Epertin für Schulpolitik. Derzeit arbeitet sie bei Oxfam.

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Advisory Board

Dr. Aparajita Sharma

Dr. Aparajita Sharma ist seit Jahren im Bereich Bildungspolitik in Südostasien aktiv. Derzeit arbeitet sie bei Save the Children.

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Advisory Board

Dr. Vishwa Anand

Dr. Vishwa Anand ist Soziologe und Experte der politischen Ökonomie Bihars.

Die beiden Vorsitzenden unseres Vereins sind ebenso Mitglieder des Advisory Boards.

Nach dem Start im Juli 2018 hat die Denkfabrik bereits ein erstes Handbuch veröffentlicht. Es befasst sich mit der Frage, wie sichergestellt werden kann, dass staatliche Gelder nicht irgendwo auf dem Weg in die Schule oder in der Schule verschwinden. Eigentlich sollen über den Einsatz dieser Gelder Komitees aus Elternvertretern demokratisch entscheiden – doch in der Realität kommt das Geld bei ihnen fast nie an. (Handbuch auf Englisch hier)

Aktuell arbeitet das Institut an einer Studie zu den Abläufen in der Schulverwaltung. Ein besseres Verständnis der bürokratischen Strukturen ist unerlässlich, um das nötige Verständnis für zukünftige Reformvorschläge vorzuhalten.

In einem rund fünfminütigen Video erläutert Rakesh Kumar Rajak die Hintergründe des Bihar Education Policy Centers: